| Übermittelt von User: schulzesylvia
Schon seit dem letzten Jahr teste ich Orchideensubstrat von Seramis.
Der Gedanke, es könnte d a s und nur d a s Substrat für die eine oder andere Pflanze geben, seien es nun Orchideen oder andere Pflanzen, ist falsch.
Es führen immer viele Wege zum sprichwörtlichen Rom.
Meine Fragen lauteten also:
Ist Seramis gut für Orchideen geeignet? Unter welchen Umständen ist es besonders gut einsetzbar? Kann man es auch anderweitig einsetzen? Und ich dachte da eher nicht ans Katzenklo.
Meine Voraussetzungen:
Mein Mann und ich sind u. a. Besitzer eines Gewächshauses und eines Wintergartens. Dort werden einige Orchideen wie Cymbidien gepflegt. Die Temperaturen dort steigen im Winter kaum über 10 Grad. Phalaenopsis und Co. jedoch stehen an vier Wohnzimmerfenstern, ausgerichtet nach Süden und Westen im Erdgeschoss. Da die meisten Leser sicher ihre Orchideen auf dem Fensterbrett pflegen, möchte ich mich bei meinem Erfahrungsbericht vor allem auf diese Form der Kultur beschränken.
Damit die Sonne keinen Schaden anrichtet, wurden die Fenster außen mit Fliegenfenstern versehen. In sehr sonnigen hochsommerlichen Abschnitten werden außen vor diese Fenster noch große Oleander drapiert. Das sehr lockere Laubwerk schützt, ohne allzu viel Schatten zu verbreiten.
Auf die Steinfensterbänke wurde innen eine auf Holzleisten aufgelegte Pressholzplatte gelegt, so dass die warme Heizungsluft unter dieser zirkulieren kann und die Orchideen besonders im Winter stets warme Füße (besonders wichtig) haben. Auf zwei der Fensterbänke wurde eine Pflanzwanne gestellt, die mit Kies und ein wenig Wasser gefüllt ist. Die Luftfeuchtigkeit wird so erhöht. Für Phalaenopsis ist dies jedoch nicht erforderlich, wenn die Raumluft nicht allzu trocken ist.
Da der Platz begrenzt ist und immer mal wieder ein neuer Schützling in die Sammlung einzieht, werden die Pflanzen auf den relativ tiefen Fensterbänken gestaffelt aufgebaut. Die Pflanzen stehen bei mir in Übertöpfen, nach hinten hin wird durch umgestülpte unterschiedlich große Übertöpfe untergebaut, so dass auch die hinteren Pflanzen genügend Licht bekommen. Die Pflanzen sollten sich jedoch nicht berühren oder beschatten.
Jeden Morgen werden die Orchideen mit Regenwasser besprüht.
Aller sieben bis vierzehn Tage (je nach Trockenheitsgrad des Substrates) werden die Pflanzen gewässert. Dazu werden die Übertöpfe mit Wasser gefüllt. Ich verwende 80% Regen- und 20% Leitungswasser, zimmerwarm. Nach ein bis zwei Stunden, wenn sich das Substrat gut vollgesogen hat, wird der Pflanztopf aus dem Übertopf genommen, das Wasser restlos ausgeschüttet und der Pflanztopf wieder in den Übertopf eingesenkt. Dem Wasser wird ein üblicher Orchideendünger in halber Konzentration (zu viel Dünger bringt nur große oder gerollte Blätter) zugefügt, ab und zu gibt es dazu (zwei Tropfen auf 10 l Wasser) Super Vit (Vitamine und Aminosäuren) von Hesi.
Das Probieren mit dem Substrat:
Folgende Orchidee setzte ich in Seramis: ca. 30 Phalaenopsis und jeweils einige wenige Exemplare verschiedener Arten: Cattleya, Cymbidium, Dentrobium, Miltonia, Oncidium, Paphiopedilum und Zygopetalum, 2 Coelogyne cristata.
An sich setze ich Orchideen nie grundlos um. Falls sie sich gut entwickeln, belasse ich sie so lange wie möglich in ihren angestammten Substraten.
Gründe für ein Umsetzen sind für mich: versottetes Substrat, riesige Anzahl abgestorbener Wurzeln, zu große Pflanzen in zu kleinen Töpfen oder „mickernde“ Pflanzen.
Doch hier lag ja nun einmal ein Sonderfall vor.
Als ich Seramis für Orchideen das erste Mal anwendete, war ich etwas skeptisch.
Das Substrat war trocken und sehr grob strukturiert.
Das rötliche Wasser, was da nach dem Tauchen ablief, sah nicht sehr einladend aus. Nach mehreren Tauchvorgängen war jedoch die rote Farbe verschwunden.
Die Pflanzen schienen sich in der Regel nicht schlechter als in üblichen Pflanzsubstraten zu entwickeln.
Allerdings trocknet dieses Substrat viel schneller ab als andere Substrate, so dass ich für die Pflanzen in Seramis einen kürzeren Tauchrhythmus einführen musste.
Komischer Weise kamen auch die Paphiopedilum als Erdorchideen mit dem Mix gut zurecht, wenn sie ausreichend gewässert wurden. Da die hängend kultivierten Cattleyen zu schnell abtrockneten, fütterte ich die Oberflächen der Töpfe mit einer extradicken Schicht Spaghnum ab, um die Verdunstung zu reduzieren. So war auch hier der Einsatz erfolgreich. Einzig und allein die Coelogynen setzte ich nach einem Jahr wieder in ein Substrat direkt für Erdorchideen. Jedoch lässt sich bei nur zwei Pflanzen keine Verallgemeinerung treffen.
Mein Fazit:
Das Orchideensubstrat von Seramis ist für die meisten Orchideen gut geeignet.
Die Vorteile:
- für besonders luftbedürftige Orchideenwurzeln sehr gut geeignet, da es sehr grob strukturiert ist
- versottet kaum, bleibt lange stabil
- relativ wenig schimmelanfällig
- kann trocken relativ lange gelagert werden, ohne wesentlich zu „gammeln“ oder sich zu zersetzen, und bleibt trotzdem einsatzfähig (Das ist ein großer Vorteil, da Pflanzsubstrate nicht mit einem Haltbarkeitsdatum versehen werden. So kann es bei feuchten Substraten passieren, dass man ein Gemisch ersteht, welches z. B. schon zwei Jahre auf dem Buckel hat, in dem sich alle eingebrachten Düngemittel gelöst haben und wo die Pflanze kurz nach dem Einsetzen an Überdüngung den Geist aufgibt. Oder man erwischt eine Erde, in der die lieben Schimmelpilzchen schon ganze Städte gegründet haben.)
- Viele Orchideen gehen zu Grunde, weil sie von ihren Besitzern zu viel gegossen werden. Da dieses Substrat die Feuchtigkeit nicht so stark speichert, ist diese Gefahr hier nicht so groß, selbst wenn einmal etwas Wasser im Übertopf stehen bleibt.
Die Nachteile:
- Pflanzen in Seramis müssen öfter gewässert werden als die in Substraten, die mehr Wasser speichern, sie trocknen schneller aus. Das kann, wenn man viele Pflanzen hat, den Pflegeaufwand erhöhen.
- Bei feuchtigkeitsbedürftigeren Orchideen (z.B. Cattleyen) ist z.B. ein Abdecken mit Moos oder ein Mixen von Seramis mit anderen Substraten sinnvoll.
Andere Möglichkeiten, Seramis für Orchideen einzusetzen
Da ich neben meinen Orchideen auch noch einige hundert anderer Pflanzen mein eigen nenne (Wenn man einmal eine gewisse Sammelleidenschaft an den Tag legt, ist das Hobby manchmal fast wie eine zweite Arbeit, grins), setze ich das normale Seramis für Zimmerpflanzen schon länger als Zuschlagstoff für zig verschiedene Pflanzenerden ein. Es puffert hervorragend. Hibiskus z. B. zeigt sich in mit Seramis versetzter Erde weniger anfällig gegen Pilzerkrankungen. Auch viele Sukkulenten mögen diese lockere, gut gepufferte Erde.
Und so gibt es natürlich auch andere Verwendungsmöglichkeiten für Seramis für Orchideen. Besonders hat sich bei mir der Einsatz bei verschiedenen Epiphyten im Mix mit guter anderer Blumenerde bewährt, z.B. bei Bromelien, oder im Mix mit Rhododentronerde für verschiedene epiphytische Blattkakteen.
Abschließend möchte ich als Ergebnis meiner Erprobung dieses Substrates bemerken:
Seramis für Orchideen ist sicherlich ein für viele Orchideen sehr gut geeignetes Substrat, besonders z.B. für Allergiker. Es eignet sich auch sehr gut als Beimischung für Substrate für andere Epihpyten.
Es hat einige sehr gute Eigenschaften. Jedoch ist es, wie viele andere geeignete Substrate auch, kein Wundermittel um andere Kulturfehler auszugleichen.
Wenn ich z.B. über wundersame Auferstehung fast toter Orchideen oder eine plötzliche Blütenexplosion dank Seramis lese, dann gestatten Sie mir bitte wenigstens ein kleines verschmitztes Lächeln.
Entwickeln Sie aus Ihrer Liebe zu Ihren Pflanzen heraus mit viel Fingerspitzengefühl und stetiger Beobachtung eigene Strategien zur Pflege Ihrer Schützlinge, angepasst an Ihre persönlichen Pflegebedingungen. Etwas Absolutes wird es dabei kaum geben können, auch kein Bestes oder ein „Nur das“. |