Insgesamt über 2000 Pflanzen auf Fensterbrettern, in Gewächshaus und Wintergarten!
01.05.2011Übermittelt von User: schulzesylvia
Seit einigen Jahrzehnten beschäftige ich mich sehr intensiv mit Zimmer- und Kübelpflanzen verschiedener Art. Das ist mein sogenanntes Steckenpferd.
Zu meinen Pflanzenkindern gehören unter anderem neben hunderten Sukkulenten, über 40 Kamelien, zahlreichen Hibiskus und verschiedensten anderen Kübelpflanzen auch über hundert Orchideen v.a. der Gattungen Phalaenopsis, Paphiopedilum, Cymbidium, Cattleya, Vanda, Coelogyne, Cambria, Oncidium, Miltonia und Zygopetalum. Einige meiner Orchideen sind mehr als 20 Jahre alt.
Als ich mich bereits im letzten Jahr entschloss, Seramis für Orchideen zu testen, geschah das, das muss ich zu meiner Schande gestehen, nicht nur aus reiner Neugier: gutes Orchideensubstrat ist teuer und der Name Seramis hatte für mich einen guten Klang. Seramis für Zimmerpflanzen verwende ich schon seit vielen Jahren. Ich pflanze allerdings keine Pflanze rein in Seramis, dazu besitze ich ein zu vielfältiges Pflanzensortiment (insgesamt über 2000 Pflanzen auf Fensterbrettern, in Gewächshaus und Wintergarten), sondern ich mische Seramis für Zimmerpflanzen verschiedenen Pflanzenerden in unterschiedlicher Konzentration bei. Das Tongranulat bildet einen ausgezeichneten Nährstoffpuffer und gleicht die Feuchtigkeit aus.
Will man Pflanzenerden testen, benötigt man, wie bei jedem Test, Vergleichsparameter.
So ging ich auch beim Test von Seramis Orchideensubstrat so vor, dass ich zur gleichen Zeit nicht nur in Seramis umsetzte, sondern auch ein gutes Baumarktorchideensubstrat eines anderen Herstellers und ein Substrat eines Privatanbieters verwendete.
Ich setze prinzipiell nur Orchideen um, die auch umgesetzt werden müssen, z. B. weil
- sie unbefriedigend gedeihen
- das Substrat versottet ist
- viele alte Wurzeln abgestorben sind
- die Pflanze so weit aus dem Topf ragt, dass sie nicht mehr standfest genug ist.
Solange Orchideen im alten Substrat gut gedeihen und fleißig blühen, setze ich nie um.
Orchideen wachsen, im Vergleich zu vielen anderen Pflanzen, sehr langsam. Auch Pflegefehler werden manchmal erst nach längerer Zeit sichtbar. So kann es z. B. durchaus passieren, dass man gerade im Winter ein armes Baumarktpflänzili "gerettet" zu haben denkt und nach 14 Tagen geht das Teil in Matsch über, weil es eben doch irgendwo eine Weile bei fast Null Grad verbringen musste.
Ob eine Pflanze im neuen Substrat gut gedeiht oder ob sie da eher Probleme hat, kann man in der Regel auch nicht sofort sagen. Manchmal wachsen die Pflanzen in den ersten Wochen hervorragend, um nach vier oder fünf Monaten plötzlich zu kümmern.
Sehr viel Gutes direkt zum Vorgang des Umsetzens von Orchideen ist schon gesagt worden. Auch ist die Anleitung in "Faszinierende Schönheit erleben, Seramis für Orchideen" eindeutig. Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Vielleicht nur so viel: Orchideen sollten nie zu tief eingesetzt werden. Die Blätter sollten sich immer oberhalb des Substrates befinden, sonst könnten sie faulen. Auch sind die meisten Orchideenwurzeln eher brüchig. Man sollte also Vorsicht walten lassen und nie zu kleine Gefäße wählen, auch nie die Wurzeln mit Gewalt biegen.
Da das Substrat nicht der einzige "Gedeihfaktor" bei der Pflege von Pflanzen ist, findet man am Ende meines Beitrages noch einige Hinweise, wie ich meine Orchideenpflege.
Als ich Seramis für Orchideen das erste Mal benutzte, störte mich zunächst der rostrote Satz, der bei den ersten Wässerungsaktionen austrat. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass dieser nicht die Wuchs- und Blühwilligkeit der Pflanzen beeinträchtigte. Nach einigen Monaten hatte sich dieses etwas gewöhnungsbedürftige Phänomen von selbst erledigt.
Die Orchideen, die ich in Seramis verpflanzte, gediehen nicht schlechter als die Pflanzen in den anderen Substraten (wohl gemerkt – keine Billigsubstrate). Seramis hat für mich einen Nachteil, dem aber mehrere Vorteile gegenüberstehen.
Der Nachteil:
Orchideen in Seramis müssen öfter gewässert werden als Orchideen in anderen Substraten. Das Substrat ist sehr grob und trocknet relativ schnell ab.
Ursprünglich dachte ich, dass das Substrat deshalb für Orchideen wie Paphiopedilum oder Coelogyne nicht geeignet wäre, auch weil es mir für diese Pflanzen sehr sehr grob erschien. Dieses Vorurteil hat sich im Nachhinein zerschlagen. Gerade diese Pflanzen wuchsen in Seramis ausgezeichnet, wenn man sie eben etwas öfter goss als die in den üblichen Substraten.
Bei sehr vielen Pflanzen erhöht sich dadurch aber eben der Pflegeaufwand ein wenig.
Die Substratoberfläche meiner Catlleyen deckte ich im Nachhinein mit Sphagnum ab.
Die Vorteile:
1. Der oben genannte Nachteil kann für andere Orchideenliebhaber auch ein Vorteil sein. Die wenigsten je eingegangenen Orchideen dürften vertrocknet sein. Eher wurde wohl so manche totgegossen.
2. Seramis blieb über das gesamte Jahr fast völlig stabil. Das Substrat zerfiel nicht, versottete nicht. Die Umsetzaktionen werden also deutlich reduziert.
3. Seramis neigt deutlich weniger als andere Substrate zu Schimmelbildung. Das dürfte besonders Allergiker freuen.
4. Leider gibt es in Deutschland keine Kennzeichnungspflicht für das Herstellungsdatum von Pflanzsubstraten, geschweige denn für ein Verfallsdatum. So kann es z. B. passieren, dass man ein teures Orchideensubstrat im Baumarkt ersteht, welches schon jahrelang einher schlummert. Da herkömmliche Substrate feucht sind, lösen sich dort enthaltene Mineralien, die dann nach dem Umsetzen die Pflanzen in`s absolute Überfressen stürzen. Die Pflanze geht ein. Auch sind solche überlagerte Substrate mitunter schon zersetzt oder verschimmelt. Über die Fachkompetenz von vielen Bau- und Pflanzenmarktangestellten brauchen wir uns erst recht nicht unterhalten. Die Frage, ob die Pflanzenerde frisch sei, beantwortete mir erst letztlich eine "Baumarkttante" mit: "Natürlich ist die Erde frisch, die Beutel sind alle noch zu." (Ich hoffe, ich ziehe jetzt nicht den Zorn des gesamten Baumarktclans auf mich. Nein – sonst besuche ich Bau- und Pflanzenmärkte natürlich gern!).
Seramis wird trocken gelagert. So kann das Substrat über lange Zeit aufbewahrt werden, ohne dass die Qualität gemindert wird. Dies dürfte auch Verbraucher von Mindestmengen erfreuen, die den angefangenen Beutel, gut verschlossen, für später reservieren können.
5. Gefragt wird immer nach alternativen Anwendungen:
Ich testete Seramis für Orchideen auch bei anderen Epiphyten, nämlich bei Bromelien und Rhipsalis. Dazu mischte ich die Hälfte Seramis-Orchideensubstrat (was mir allein dann doch etwas zu grob erschien) mit der gleichen Menge Buchenlauberde.
Das Ergebnis ist hervorragend. Da Erde für solche Gewächse, so man sich nicht die einzelnen Zuschlagstoffe besorgt und dann selbst mixt, recht teuer ist, da meist nur im Spezialhandel erhältlich, ist der Einsatz von Seramis auch hier eine gute Alternative.
In diesem Jahr teste ich den Einsatz von Seramis- Orchideensubstrat bei Orchideen, die frei hängend gehalten werden, und bei Phyllocactushybriden, von welchen sich ungefähr 40 Exemplare in unserem Wintergarten tummeln. Bis jetzt, eingepflanzt vor wenigen Wochen, lässt sich auch hier das Ganze sehr gut an.
Von unseren zahlreichen Bekannten, Pflanzenliebhaber wie ich ( doch meist nicht in diesem Umfang), denen ich das Substrat im letzten Jahr "vermachte", äußerte sich im übrigen letztendlich niemand negativ über das "Geschenk". Die Meinungen lagen eher in den Bereichen gut (2), sehr gut (2), ausgezeichnet (2) von 7 (1X keine Meinung).
Ob Pflanzen gedeihen oder nicht, hängt, wie oben schon erwähnt, nicht nur vom Substrat ab, deshalb hier einige Tipps, wie ich bisher recht gute "Orchi-Ergebnisse" erzielen konnte.
Das Ganze beginnt schon beim Pflanzenkauf:
Man sollte sich beim Kauf einer Orchidee nicht nur an der schönen Blüte orientieren. Eine Orchidee sollte reichlich intakte Wurzeln besitzen, ihre Blätter sollten vor Saft strotzen. Orchideen im Winter zu kaufen, stellt immer ein Risiko dar. Gerade zu Großmärkten werden Pflanzen weit transportiert oder im Markt an zugigen Stellen abgestellt. Auch der Heimtransport ist ein Problem.
Es gibt immer verschiedene Möglichkeiten, Pflanzen zu pflegen. Was für den einen der Stein der Weisen, muss für den anderen keine taugliche Methode sein, weil seine Voraussetzungen vielleicht ganz andere sind.
Ich halte meine Orchideen (außer Cymbidium, Coelogyne und Vanda) zumeist in durchsichtigen Plastetöpfen, die ich in Übertöpfe einsenke. Diese Übertöpfe fülle ich, je nach Jahreszeit, Temperatur und Trockenheit des Substrates aller ein oder zwei Wochen mit Regenwasser, das ab und zu mit etwas Leitungswasser (ungechlort) und etwas Orchideendünger (in halber Konzentration – sonst nach Anleitung) gemischt wird. Nach ein bis zwei Stunden gieße ich das Wasser wieder ab, so dass kein Restwasser im Übertopf stehen bleibt.
Der Methode, Orchideen in geschlossenen Töpfen zu halten, stehe ich skeptisch gegenüber.
Die Warmhausorchideen halte ich an Wohnzimmerfenstern. Am geeignetsten sind dafür Ost- und Westfenster. Damit ich auch die Südfenster nutzen kann, wurden außen an diesen Fenstern Fliegenfenster angebracht, selbst die dickfleischigen Blätter der Phalaenopsis halten so, leicht beschattet, die Sonnenbestrahlung aus.
Ich trapiere, um mehr Orchideen unterbringen zu können, die Pflanzen von vorn nach hinten steigend. Die erste Reihe der Orchideen steht eben. Die zweite und dritte Reihe werden auf Gegenstände, z. B. umgekehrte Übertöpfe, in nach hinten steigender Höhe gestellt.
Damit die Orchideen nicht fußkalt stehen, werden auf die Steinfensterbänke Holzleisten und darüber eine Platte, ausgesägt etwa in der Größe der Fensterbank, gelegt. Die Heizungsluft der sich unter den Fensterbänken befindlichen Heizkörper kann so unter der Platte zirkulieren.
Orchideen benötigen eine höhere Luftfeuchtigkeit als andere Pflanzen, aber auch frische sauerstoffreiche Luft. Ein Fenster zum täglich mehrmaligen stoßweisen Lüften sollte also frei bleiben.
Ich nebele meine Orchideen ein Mal täglich morgens ein, aber nur so viel, dass kein Wasser in den Blattachseln stehen bleibt.
Cymbidium und Coelogyne stelle ich ohne Übertöpfe von Mitte Mai bis vor die ersten Fröste in den Garten an eine halbschattige, später (ab September) eine vollsonnige Stelle. Es wird stetig kontrolliert, dass kein Wasser im Untersetzer stehen bleibt. Ist das Substrat zu trocken, wird zusätzlich gewässert, aller 14 Tage wird gedüngt.
Im übrigen halte ich die Temperaturangaben im mitgelieferten Prospekt für sehr stark verallgemeinert. Auch innerhalb der Gattungen kommt das Temperaturbedürfnis sehr stark auf die einzelne Art an. Seit über 20 Jahren halte ich z. B. einige grünblättrige Paphiopedilum so wie einige Cymbidien im Gewächshaus bei zeitweisen Wintertemperaturen von knapp über dem Gefrierpunkt.
Vielleicht konnte ich dem einen oder anderen helfen.
Mit freundlichen Grüßen
Sylvia Schulze











sehr beeindruckend!!
sehr ausführlich
interessanter bericht.
Danke für die Informationen
Hast du auch schon eine Ludisia länger in Seramis stehen? Bei mir wäre das eine Red Velvet (falls es da so viele Sorten gibt) die ich gerne reinsetzen würde. Da die im Internet als Erdorchidee bezeichnet wird, hab ich ein bisschen bedenken, ob das Substrat nicht zu grob ist.